Border Collie im Rasseportrait

Der Border Collie ist nicht nur ein wunderschöner Hund, er spricht uns auch durch seine Lebensfreude und Cleverness besonders an. Er liebt den Kontakt zum Menschen und hat sich in den letzten Jahren zu einer sehr beliebten Hunderasse entwickelt. Das folgende Porträt beschreibt Wesen und Eigenschaften des dynamischen Hütehundes aus England und informiert zukünftige Halter über Wissenswertes sowie seine Ansprüche an ein erfülltes, zufriedenes Hundeleben.

Der Border Collie liebt den Kontakt zum Menschen und hat sich in den letzten Jahren zu einer sehr beliebten Hunderasse entwickelt.
RasseBorder Collie
Gewicht12 – 20 kg
GrößeRüde: ca. 53 cm, Hündin: ca. 50 cm
Charakterhochintelligent, arbeitswillig, aktiv, lerneifrig, gefällt gerne
HerkunftGroßbritannien
Farbenzwei- oder dreifarbig, schwarz, weiß, rot, blau, Merle (blue/red), zobelfarben, lilac, Abzeichen tanfarben 
Lebenserwartung14 Jahre und älter
BeliebtheitPlatz 10 der beliebtesten Hunderassen in Deurtschland (2021) 

Herkunft und Geschichte

Schon der Name des Border Collies gibt einen ersten Hinweis auf seine Herkunft. Das englische Wort “border” bedeutet Grenze, denn die Wurzeln des Border Collies sind im Norden des Vereinigten Königreichs zu finden, und zwar in der Grenzregion zwischen England und Schottland.

Dort lebten die Farmer bereits seit Jahrhunderten mit Hunden zusammen. Es waren robuste Hütehunde für die Schafherden, die mit den harschen Bedingungen des rauen Klimas bestens zurechtkamen. Sie hatten eine ganz besondere Veranlagung, mit den Schafen umzugehen und einen außergewöhnlichen Hüteinstinkt.

Erstmalige Erwähnung fanden diese englischen Hütehunde in dem Buch “De Cannabis Britannicus” von Johann Caius (Professor in Cambridge und Leibarzt von Königin Elizabeth I) im Jahr 1576, allerdings noch nicht unter ihrem späteren Namen. Bis vor ungefähr einhundert Jahren wurden sie allgemein als “Sheepdog” (Schäferhunde) oder Collies bezeichnet. Begeistert berichtet Caius schon damals über die kommunikativen Fähigkeiten der Hunde im Zusammenspiel mit ihrem Hirten und ihr Geschick mit den Schafen.

Border Collies haben eine ganz besondere Veranlagung, mit den Schafen umzugehen und einen außergewöhnlichen Hüteinstinkt.

Mit dem Erwachen der modernen, organisierten Rassehundezucht wurden die englischen Schäferhunde in Rassen unterscheiden und ihr Genpool isoliert. Als Stammvater des Border Collies wird der 1893 geborene Rüde “Old Hemp” benannt. Dieser besaß außergewöhnliches Hütetalent, welches er in den eigens zur Prüfung der Hunde organisierten “Sheepdogtrails” immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte. Er wurde daraufhin zu einem der gefragtesten Deckrüden. Aufzeichnungen zufolge soll er mehr als 200 Nachkommen gezeugt haben, von welchen viele ebenfalls in der Zucht eingesetzt wurden. Ein Teil der heutigen Zuchtlinien lässt sich auf diesen Stamm zurückzuverfolgen.

Prüfungen zur Selektion der Hunde waren ausschließlich auf ihre Arbeitseigenschaften und Hütequalitäten ausgerichtet, das äußere Erscheinungsbild war nicht von Bedeutung. Die International Sheep Dog Society (ISDS), die den Border Collie betreut, priorisiert bis heute die Hüteleistung und führt ein Register der arbeitenden Hunde.  Die Rassebezeichnung “Border Collie” wurde von der ISDS erstmalig im Jahr 1915 verwendet, erst 1980 wurde ein Rassestandard hinzugefügt.

International wird der Border Collie seit 1976 von der FCI (Fédération Cynoloqique Internationale =  Internationale Hundevereinigung) anerkannt. Er wird in der FCI – Gruppe 1 der Hütehunde und Treibhunde gelistet und der für ihn erstellte Rassestandard bezieht erstmalig auch das Äußere der Hunde mit ein. In den 1970-er Jahren wurde der Border Collie auch in Deutschland bekannt. Der erste Eintrag eines Border Collies in das Zuchtbuch für Britische Hütehunde fand erst im Jahr 1978 statt.

Charakter und Wesen

Um in die Seele eines Border Collies zu schauen und sein Wesen wirklich zu erkennen, sollte man einem dieser faszinierenden Hunde bei der Arbeit zuschauen. Ihr Verhaltensrepertoire ist an den archaischen Jagdinstinkten ausgerichtet, hochkomplex und vielfältig. Die konsequent an seiner Arbeitsleistung ausgerichtete Selektion hat ein Gesamtkunstwerk von Hund erschaffen. Der Border Collie ist ein sogenannter Koppelgebrauchshund, der die Schafe mit einem gewissen Abstand zu ihnen über die Weiden bewegt. Er kann dies völlig selbstständig ausführen, lässt sich aber auf Aufforderung auch sofort vom Schäfer lenken. Charakteristisch ist dabei seine geduckte Körperhaltung und sein fixierender Blick. Er arbeitet still und ohne Körperkontakt, nie wird man ihn schubsen sehen oder hektisch kläffen hören. Seine Körperlichkeit hat eine natürliche Anmut.

Der Border Collie ein freundlicher, liebenswerter Hund, der eine sehr enge Beziehung zu seinem Herrchen oder Frauchen eingehen möchte.

Besonders beeindruckend ist es zu sehen, mit welchem Geschick er in der Lage ist, einzelne Schafe von der Herde zu isolieren. Dabei reagiert er mit großer Genauigkeit auf kleinste optische oder akustische Signale seines Schäfers und setzt Richtungsangaben sicher um. 

Abseits seines Arbeitsplatzes ist der Border Collie ein freundlicher, liebenswerter Hund, der eine sehr enge Beziehung zu seinem Herrchen oder Frauchen eingehen möchte. Sein Wille zu arbeiten und zu gefallen ist auch in seiner „Freizeit“ sehr ausgeprägt, sodass er immerzu für seine Menschen nützlich sein möchte. Er ist ein unglaublich cleverer und aufnahmefähiger Hund, der sich bei guter Auslastung, Erziehung und Führung fast als ein vollwertiges Familienmitglied beschreiben lässt.

Anschaffung und Preis

Vor der Anschaffung eines Border Collies sollte man sich wirklich intensiv mit den Anforderungen beschäftigt haben, welche diese Rasse an seinen Halter stellen wird. Denn vom Tage des Einzugs an wird sich das Leben in den allermeisten Belangen auf diesen anspruchsvollen Vierbeiner einzurichten haben. Verantwortungsvolle und artgerechte Tierhaltung ist ein erfüllender Lebensinhalt, für den es sich aber bewusst zu entscheiden gilt. Ein Border Collie ist keine geeignete Wahl für einen Hundeanfänger.

Für die Suche nach einem Züchter sind bei einem Verband registrierte Adressen zu empfehlen, die seriös auf der Grundlage der überlieferten Werte und Standards züchten. Die steigende Popularität des Border Collies, die nicht zuletzt durch seine Präsenz in den Medien verursacht wurde (Bsp: der Film “ein Schweinchen namens Babe”), hat einige Züchter aus Vermarktungsgründen veranlasst, eine ruhigere, anpassungsfähigere Variante des Borders züchten zu wollen. Um seine Eignung als Familienhund zu erhöhen. Diese Art Eingriffe in die Genetik und Seele hoch spezialisierter Rassehunde hat häufig schwerwiegende Folgen für die Psyche und Physis der Hunde.

Ein gesunder und durch Familienanschluss wohl sozialisierter Welpe, der selbstverständlich entwurmt und grundimmunisiert ist, wird von Züchtern nicht unter 1000 Euro angeboten werden.

Ist ein verantwortungsvoller Züchter gefunden, sollte ein Nachweis der Überprüfung auf Erbkrankheiten selbstverständlich sein. Zu empfehlen ist ein persönlicher Besuch der Zuchtstätte und ein Kennenlernen der Welpen und der Gegebenheiten vor Ort. Ehrliche, fachmännische Züchter werden dies mit Freude ermöglichen, denn auch sie möchten die zukünftigen Besitzer ihrer Hunde prüfend auswählen. 

Unbedingt abzuraten ist von einem anonymen Kauf über Anzeigen oder das Internet. Zu groß ist hier die Gefahr, an einen Vermehrer oder Händler zu geraten, der unter fraglichen Bedingungen geborene Hunde aus dem Ausland vertreibt. Ein verlockend niedrig erscheinender Kaufpreis kann dann schnell in Kosten für einen kranken Hund und viel Leid für Mensch und Tier umschlagen.

Ein gesunder und durch Familienanschluss wohl sozialisierter Welpe, der selbstverständlich entwurmt und grundimmunisiert ist, wird von Züchtern nicht unter 1000 Euro angeboten werden.

Leider finden sich auch immer wieder Border Collies in Tierheimen, denn nicht selten sind Besitzer trotz aller Warnungen im Vorfeld doch mit der Haltung dieses Energiebündels überfordert und wissen sich nicht anders zu helfen, als ihn wieder abzugeben. Für einen Halter mit viel Erfahrung und Hundeverstand könnte es eine Möglichkeit sein, einem dieser traurigen Tiere ein neues, border – freundliches Zuhause zu geben.

Haltung und Pflege

Einen Border Collie zu halten ist ein anspruchsvoller Job, der jeden Tag aufs Neue ein Einlassen und Einstellen auf seine Bedürfnisse erfordert. Er ist ein Hütehund, der die Erfüllung seiner Instinkte braucht, um ein treuer und verlässlicher Partner zu sein. Das heißt, er muss arbeiten, auch wenn er als Familienhund gehalten werden soll.

Somit passt er zu Menschen, die sportlich und wetterfest sind und ihren Hund als ihr Hobby ansehen, dem sie täglich entsprechende Zeit widmen können. Realistisch betrachtet gehört ein Border Collie in die Hände eines Schäfers. Findet er in privater Haltung in seiner Bezugsperson einen hundeerfahrenen Menschen, der ihn körperlich und geistig fordern und fördern kann, so wird er auch ihm ein angenehmer Begleiter sein. Beengte Wohnverhältnisse kommen ihm nicht entgegen, am wohlsten wird er sich in einem Haus mit Garten und der Möglichkeit zum freien Bewegen fühlen.

Border Collies sind intelligente und energiegeladene Hunde, die den Hundesport lieben.

Ein Border kann sich in jeder Form von Hundesport oder im besten Falle auch in Hütewettbewerben profilieren. Sein Arbeitseifer ist derart ausgeprägt, dass neben dem Grundgehorsam in seiner Erziehung auch Wert darauf gelegt werden muss, dass er begreift, dass es arbeits- und hütefreie Zeit gibt. Ein Border Collie hat durchaus die Veranlagung zum Workaholic und muss lernen, sich zu entspannen und zu erholen.

Der Pflegeanspruch eines Border fällt im Vergleich zu seiner artgerechten Beschäftigung eher mäßig aus. Natürlich sollte sein Fell mehrmals in der Woche gut gebürstet werden, denn insbesondere bei der etwas längeren Variante neigt es zum Verfilzen. Die Fellpflege sollte regelmäßig durch eine Kontrolle der Haut, der Augen und Ohren und der Krallen ergänzt werden. So können eventuelle Verletzungen oder Entzündungen früh erkannt und behandelt werden.

Negative Eigenschaften und Krankheiten

Wirklich negative Eigenschaften bringt kein Tier mit auf die Welt. Sein Verhalten ist immer angepasst an seinen (Über)lebensraum. Domestizieren wir nun einen Hund und möchten ihn als Haustier halten, so können Lebensumstände, die so gar nicht seinem Bewegungs – und/oder Arbeitsnaturell entsprechen, ihn zu einem sogenannten “Problemhund” werden lassen und seine psychische Gesundheit schädigen.

Geistige und körperliche Unterforderung führen bei vielen Vierbeinern zu Ersatzhandlungen. Beim Border kann dies das fast besessen wirkende Hüten von Familienmitgliedern oder Gegenständen sein. Auch aggressives Verhalten kann auftreten, obwohl der Border ein sensibler und menschenfreundlicher Hund ist. 

Da der Border Collie eine hohe Auffassungsgabe hat, lernt er auch extrem schnell. Wenig Erfahrung mit Hunden und ungenügend eindeutige Lernimpulse können dazu führen, dass er das Falsche lernt und damit sein Verhalten unerwünscht ist. Auch dies ist keine negative Eigenschaft des Hundes, sondern eine menschliche Schwachstelle in der Erziehung.

Die Rasse ist robust und gesund, leider haben aber einige Border mit Erbkrankheiten zu tun. Epilepsie ist hier ganz vorne zu nennen. Die Collie Eye Anomaly (CEA) tritt bei Collies als erblich bedingte Fehlentwicklung des Auges auf, sie kann zur vollständigen Erblindung führen. Auch andere Augenkrankheiten wie die Progressive Retinaatrophie (PRA), der Juvenile Katarakt und das Glaukom kommen bedauerlicherweise vor. 

Wer einen Collie besitzt, sollte ein Grundwissen über den Merle – Faktor und den MDR1 – Defekt haben. Denn beide Gendefekte können auch den Border Collie betreffen und besonders die Medikamentenunverträglichkeit sollte so früh wie möglich abgeklärt werden und zieht eventuelle lebenslange Vorsichtsmaßnahmen nach sich.

MDR1 Gendefekt

MDR ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung Multi-Drug-Resistance und kann mit multipler Medikamentenunverträglichkeit übersetzt werden. Normalerweise schützt das MDR1 Gen gesunde Tiere vor dem Eindringen potenziell gefährlicher Stoffen (Medikamente oder auch Umweltgifte) in das Gehirn und das Nervensystem. In Leber und Niere trägt MDR1 zur Ausscheidung schädlicher Stoffe bei und verringert deren Aufnahme im Darm. Bei Trägern dieses Gendefektes ist die Synthese eines bestimmten Proteins (P-Glykoprotein) gestört und damit der Schutzmechanismus der Blut-Hirn-Schranke eingeschränkt. Nach Einnahme der betroffenen Medikamente zeigen die Hunde Anzeichen einer schweren Vergiftung bis hin zum Koma und können daran versterben. Es erkranken nur reinerbige Hunde, mischerbige geben den Gendefekt zu 50 % an Nachkommen weiter.

Weiterführende Informationen sowie eine Auflistung sämtlicher zu vermeidender Wirkstoffe bietet eine Webseite der Universität Gießen: https://mdr1-defekt.transmit.de/en/kritische-arzneistoffe-bei-mdr1-gendefekt 

Merle-Faktor

Der Merle-Faktor bezeichnet eine Mutation auf dem Chromosom 10 des betroffenen Hundes. Auf diesem Chromosom liegt das Silv-Gen, das auch Silver Locus genannt wird und Einfluss auf die Fellfarbe hat. Die Mutation bewirkt einen Defekt in diesem Gen, der die Ausprägung des Pigmentes Eumelanin stört. Eumelanin ist zusammen mit Phäomelanin für die Farben des Hundefells verantwortlich. Durch Aufhellung des Eumelanin können sich keine dunklen Pigmente bilden und es entstehen Mischfarben. Schwarz wird zu grau-blau und braun erscheint rötlich. So entstehen die besonders beliebten Färbungen „Blue-Merle“ und „Red-Merle“. Die Farbgebung der Augen ist ebenfalls betroffen. Sie können hellblau, braun oder mehrfarbig sein. Manche Aussies haben zwei verschiedene Augenfarben. Die hellen Augen sind nicht, wie oft geglaubt, rassetypisch, denn bei den früher leistungsorientierten Arbeitshunden wurden die helläugigen Tiere ausgesondert. Ihre Augen konnten Sonne schlechter absorbieren und häufig wurden sie blind. Vorsicht auch bei weißen oder sehr hellen Hunden, die „versteckte Schecken“ genannt werden.

Ein Merle Hund kann durchaus ein Leben ohne gesundheitliche Einschränkungen führen. Große Probleme treten durch verantwortungslose Zucht mit Merlegenträgern auf. Reinerbige Hunde können von schwersten Missbildungen an den Augen, Ohren, dem Skelett, den Geschlechtsorganen und dem Herzen betroffen sein. Oft sind sie blind und/oder taub und versterben vor dem Ende ihres ersten Lebensjahres. Mischerbige Hunde können ebenfalls durch den Gendefekt beeinträchtigt sein, durch eine Pigmentstörung der Melanozyten im Innenohr. Ihr Gleichgewicht ist gestört und das Gehör eingeschränkt.

Das Tierschutzgesetz verbietet aus den genannten Gründen in Deutschland eine Paarung Merle x Merle sowie Red Merle x Blue Merle. Es fällt unter Qualzucht und erfüllt den Straftatbestand der Tierquälerei.

Quellen und weitere Informationen

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