Chihuahua im Rasseportrait

Der niedlich anzusehende Chihuahua ist ein wachsamer, intelligenter und überaus selbstbewusster Vertreter der Rassehunde im Miniaturformat. Er gilt als der kleinste Hund der Welt. Wie seine Herkunft und ursprüngliche Aufgabe bis heute sein Wesen prägen, und welche Ansprüche das kleine Energiebündel an seine Halter stellt, darüber möchte das folgende Porträt informieren. Auch klären wir über die Probleme der Zucht durch Tendenzen zur Verzwergung auf.

Der niedlich anzusehende Chihuahua ist ein wachsamer, intelligenter und überaus selbstbewusster Vertreter der Rassehunde im Miniaturformat.
RasseChihuahua
Gewicht1,5 – 3 kg
Größe15 – 23 cm
Charaktertreu, anhänglich, großherzig, selbstsicher, lebendig, intelligent
HerkunftMexiko
Farbenalle Farben und Farbkombinationen sind erlaubt, mit Ausnahme von Merle
Lebenserwartung12 – 20 Jahre 
Beliebtheitin seiner Heimat Mexiko als Nationalhund sehr beliebt, genauso in Deutschland, er hat Platz 5 der beliebtesten Hunderassen erobert (2021)

Herkunft und Geschichte

Über die Heimat und Geschichte des Chihuahua existieren verschiedene Theorien. Die wahrscheinlichste aufgrund von Untersuchungen des genetischen Materials und der Überlieferungen ist, dass dieser kleine Hund aus einer Provinz namens Chihuahua im äußersten Norden Mexikos an der Grenze zu den USA stammt. Die Religion der Azteken schrieb ihnen die Fähigkeit zu, die Seelen der Verstorbenen in das Jenseits geleiten zu können, und nicht selten wurden sie für diese Bestimmung den Gräbern als Opfergabe beigelegt. In den mexikanischen Provinzen sind bis heute wildlebende Kleinsthunde anzutreffen, die dem Chihuahua recht ähnlich sind.

Aufgrund von Untersuchungen des genetischen Materials und der Überlieferungen ist es am wahrscheinlichsten, dass der kleine Hund aus einer Provinz namens Chihuahua im äußersten Norden Mexikos an der Grenze zu den USA stammt.

Eventuell brachten die spanischen Konquistadoren sie ursprünglich mit auf den Kontinent, beziehungsweise deren adelige Begleiterinnen. Im Jahre 1810 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung Mexikos und einige der Hunde verblieben im Land, wo sie von den Bauern in der Provinz aufgenommen wurden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verkauften diese den beliebten kleinen Hund mit dem großen Herzen in ansteigender Zahl an Touristen und Reisende. So machte er seinen Weg über die Grenze in die Vereinigten Staaten, wo er später “Arizona-Hund” genannt wurde. Bald begann die Ausbreitung des Chihuahua in ganz Nordamerika und von dort aus auch über den Ozean nach Europa.

Gezielte Zuchtbemühungen sind erst seit den letzten fünfzig Jahren bekannt. Die Anerkennung der Rasse und die Erstellung eines Rassestandards durch die internationale Hundevereinigung FCI erfolgte im Jahre 1959. Sie wird in der FCI – Gruppe 9 geführt und zählt zu den Begleithunden. Seine Beliebtheit wird immer größer, dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) gehören gleich drei Zuchtvereinigungen für den Chihuahua an.

Charakter und Wesen

Der Chihuahua ist ein Musterbeispiel dafür, dass die geringe Körpergröße eines Hundes nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun haben muss. Vielleicht sogar im Gegenteil. Die Chis sind intelligente und agile kleine Hunde, die mit einer großen Portion Selbstsicherheit ausgestattet sind und starke Charaktere haben. 

Einem Menschen mit Hundeerfahrung ist bei dieser Beschreibung sofort klar, dass es ein Fehler wäre, einen Chi aufgrund seines niedlichen Aussehens und seiner Winzigkeit zu unterschätzen. Er hat ein herrliches Temperament, möchte sich bewegen, gerne auch ein wenig toben und ist immer zum Spielen mit seinem Herrchen aufgelegt. 

Der Chihuahua ist ein Musterbeispiel dafür, dass die geringe Körpergröße eines Hundes nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun haben muss.

Chihuahuas haben noch mehr bewundernswerte Eigenschaften. Sie sind wachsame Hunde, denn die Natur hat ihnen eine hohe Aufmerksamkeit und Achtsamkeit mitgegeben, sodass sie Geräusche, Veränderungen oder gar Beunruhigendes sehr schnell wahrnehmen und auch melden. Obendrein fehlt es ihnen nicht an Mut, die Initiative zu ergreifen und ihre Menschen zu beschützen. Das hört sich fast unglaublich an für einen Hundezwerg, aber genau das macht das Wesen des Chi aus: Dass er einen Löwen sieht, wenn er in den Spiegel schaut und sich genauso verhält!

Diese besondere Wachsamkeit liegt in den Genen. In seiner Heimat Mexiko gehört das  eigenständige Wachen über Haus und Hof seit jeher zu seinen Aufgaben, die er verlässlich und stolz erfüllt. Genau dafür schätzen und bewundern ihn die Menschen. 

Trotz ihrer Selbstgewissheit haben die Chis ein von Grund auf treues und anhängliches Wesen und möchten sich gerne eng mit einem von ihnen auserwählten Menschen verbinden. Dazu bedarf es eines tiefen Vertrauens in dessen Liebe und Gerechtigkeit. Immer braucht es liebevolle Konsequenz, um einen Chihuahua zu führen, diese erwartet er geradezu von seinem Herrchen, um zu ihm aufschauen zu können – im wahrsten Sinne des Wortes. Gelingt diese Verbindung, so gibt es kaum einen hingebungsvolleren Begleiter wie den kleinen Mexikaner.

Anschaffung und Preis

Es ist dem liebenswerten Wirbelwind zu wünschen, dass seine weltweite Bekanntheit durch die zahlreichen Prominenten, die sich zu gerne mit ihm schmücken und sein niedliches Köpfchen aus der Handtasche herausschauen lassen, ihm nicht nur zum Nachteil gereicht. Leider gibt es immer wieder Züchter, die mit der Ethik und dem Tierwohl nicht vereinbare Bestrebungen der Verzwergung verfolgen.

Zu empfehlen ist es, sich mit dem unverwechselbaren Wesen, das Wildheit und Sanftmut miteinander vereint, im Vorfeld zu befassen. Um dann eine Entscheidung pro Natürlichkeit und Gesundheit des Hundes zu treffen. Er wird es mit einem langen Leben danken. Seriös gezüchtete und artgerecht gehaltene Chis können bei guter Gesundheit weit über 15 Jahre alt werden. 

Die Preise für einen Chihuahua Welpen von einem verantwortungsvollen Züchter liegen zwischen 800 und 1500 Euro.

Züchter, die dem VDH angeschlossen sind, legen Wert auf ihre Verantwortung der Rasse und dem einzelnen Tier gegenüber und bemühen sich um die sorgfältige Auswahl geeigneter Elterntiere für ihre Paarungen. Zu einem seriösen Züchter gehört auch die tiergerechte und professionelle Aufzucht und Sozialisierung der Welpen. Neben der tierärztlichen Versorgung zählen auch der Familienanschluss, ein Grundvertrauen in den Menschen und erste Erziehungsansätze dazu. Gute Züchter geben gerne Auskunft darüber und beantworten alle Fragen der Interessenten. Sie wünschen sich einen Besuch der zukünftigen Besitzer ihrer Welpen explizit, um sie kennenlernen zu können. Denn auch sie wünschen sich ein gutes Zuhause für ihre Kleinen, wo sie einen liebevollen Platz für ihr ganzes Leben finden.

Wer sich für einen Chihuahua entscheidet, hat die Wahl zwischen einer kurzhaarigen und einer langhaarigen Variante. Die kurzhaarigen Chis haben ein glänzendes, dichtes und sehr weiches Fell. Der langhaarige Vertreter hat lange glatte oder leicht gewellte Haare. Um den Hals trägt er einen imposanten Kragen, die Ohren, die Rückseite seiner Beine und die Rute sind reich befedert.

Die Preise für einen Welpen von einem verantwortungsvollen Züchter werden zwischen 800 und 1500 Euro liegen. Unbedingt vermieden werden sollte der Kauf eines Welpen unklarer Herkunft, der vielleicht sogar extrem klein und leicht erscheint. Denn diese Tiere werden häufig unter schlechtesten Bedingungen aus dem Ausland von sogenannten Hundevermehrern importiert, und es ist mit schlimmen gesundheitlichen Folgen und hohen Tierarztkosten zu rechnen.

Haltung und Pflege

Chihuahuas werden als Begleit – und Familienhunde eingestuft und das sind sie auch. Ihre Handlichkeit bietet für den Halter viele Vorteile. Sie können sich auch in kleineren Wohnungen wohlfühlen, wenn sie ihren Bewegungsdrang bei täglichen Ausflügen und Spaziergängen und im Freilaufen stillen können. Da sie sehr anhänglich sind und ihr Herrchen ungern aus den Augen verlieren, möchten sie am liebsten überall hin mitgenommen werden. Ihr Miniaturformat macht es in den meisten Fällen möglich, denn sie finden eben auch in einer Handtasche Platz. Dies sollte aber allenfalls eine Ausnahme sein, denn ein Chi ist trotzdem ein echter Hund und kein Spielzeug.

Chihuahuas werden als Begleit – und Familienhunde eingestuft und das sind sie auch.

Nach der ersten Sozialisierung im Welpenalter ist jedem Chi – Besitzer zu raten, seinen Knirps aus ständiger Sorge um sein Wohl nicht zu verweichlichen und besonders nicht zu vermenschlichen. Das kann seiner ehemals in der rauen Wildnis Mexikos lebenden Hundeseele nicht gerecht werden. Er braucht Führung und Erziehung, um aufgrund seiner ausgeprägten Persönlichkeit nicht zum tyrannischen kleinen Kläffer zu werden. Besonders in der Begegnung mit anderen Hunden sollte er lernen, dass Angriff nicht immer die beste Verteidigung sein muss. Um seine Gelassenheit gegenüber Artgenossen, die in der Mehrzahl deutlich größer sein werden als er selber, zu bewahren, können Hundeschulen mit Chihuahuaerfahrung hilfreich sein. Gerade zu Anfang braucht es Hundeverstand und Fingerspitzengefühl, damit der Kleine sich nicht überfordert fühlt, aber keine Isolierung und Vermeidung der Situationen. 

Chis bewegen sich gerne und können auch konditionell erstaunliches leisten. Da sie intelligent sind und eine sehr gute Auffassungsgabe haben, eignen sich auch viele Hundesportarten für sie und können Beschäftigung für Körper und Geist gleichermaßen bieten. Je ausgelasteter der kleine Wirbelwind ist, desto angenehmer gestaltet sich das Zusammenleben mit ihm und seine ausgeglichene und gutmütige Seite kann voll zum Tragen kommen.

Ein Chihuahua wird sich auf die Lebensumstände seines Herrchens oder Frauchens ganz einlassen, er liebt die Nähe und ist sehr verschmust. Das könnte im Extremfalle bis zur Eifersucht führen. Er wird neben Familien auch für Senioren ein liebenswerter Begleiter und Freund sein, wenn für die oben beschriebene Auslastung Sorge getragen wird. Denn neben seinem Charme hat er eben auch eine Grundenergie. 

Kommt er in einen Haushalt mit Kindern, so sollten diese bereits ein Alter haben, wo sie Verantwortung für den Umgang mit einem kleinen Hund tragen können, denn aufgrund seiner Zierlichkeit bedarf es der Vorsicht, um ihn nicht unabsichtlich zu verletzen.

Die Pflege eines Chihuahuas ist unkompliziert. Regelmäßiges Bürsten erhält die Seidigkeit und den Glanz seines Felles. Die kurzhaarige Varietät haart naturgemäß etwas mehr. Das Fell bietet bei Kälte kaum Schutz durch wärmende Unterwolle, sodass Chis im Winter eventuell mit einem Hundemantel geschützt werden sollten. Den Zustand von Fell und Haut, Augen, Ohren und die Krallenlänge wird der sorgende Halter stets im Auge behalten, um bei Problemen frühzeitig reagieren zu können.

Negative Eigenschaften und Krankheiten

Unerwünschte oder als negativ zu bezeichnende Eigenschaften bringen Chihuahuas nicht von Natur aus mit auf diese Welt. Es ist aber möglich, dass sich rassetypische Eigenschaften bei nicht artgerechter Haltung und Führung in unerwünschtes Verhalten kehren. 

So kann das ausgeprägte Selbstbewusstsein mit einem Hang zur Selbstüberschätzung bei mangelnder Führung und Grenzsetzung durchaus in einen herrischen Eigensinn umschlagen. Chis können als bellfreudig bezeichnet werden. Weiß er also mit dieser Eigenschaft durch mangelnde Erziehung oder aus notorischer Langeweile heraus nicht umzugehen, so wird er schnell zum Kläffer.

Verantwortungsvoll gezüchtete Chis sind robuste kleine Hunde mit einer überdurchschnittlichen Lebenserwartung! Wie bei vielen anderen seiner Hundeverwandten hat leider auch dem Chihuahua seine Beliebtheit nicht nur Gutes getan. Unseriöse Züchter haben sie ohne gesundheitliche Kontrolle der Elterntiere gepaart und vermehrt. Die Folge sind schwache und anfällige Tiere und die Weitergabe von rassetypischen Krankheiten. Zu diesen zählen beim Chihuahua Probleme mit den großen Augen, Herzen (Herzklappenfehler, Herzinsuffizienzen durch zu große Herzen), Hydrocephalus (Wasserkopf), nicht geschlossene Fontanelle, Hypoglykämie (Unterzuckerung), Zahnfehlstellungen und Spaltrachen sowie bezogen auf den Bewegungsapparat die Neigung zu Patellaluxation (Herausspringen der Kniescheibe) und juvenile Hüftkopfnekrosen. Die Grundlage viele dieser Krankheiten ist das Bestreben, die Hunde immer kleiner züchten zu wollen.

Was sagt das Tierschutzgesetz zu Verzwergung und Qualzucht?

Tierschutzgesetz und Europäisches Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren 

Nach § 11b des Tierschutzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. Mai 1998 (BGBl. I S. 1105,1818) ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen zu verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. 

Quelle: https://www.bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/qualzuchten/Qualzuchtgutachten.pdf 

Die Verzwergung zählt zu den Bestrebungen, die in der Fachwelt auch Extremzucht genannt werden. Gemeint ist die maximal gesteigerte Ausprägung eines bestimmten, gewünschten Merkmals eines Rassehundes. So soll durch Übertypisierung eine Besonderheit hervorgehoben werden, um den Hund optisch ansprechender und interessanter für einen bestimmten Käuferkreis zu machen. Ungeachtet der Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden des Hundes.

Beim Chihuahua ist es das Bestreben, den ohnedies schon kleinsten Hund der Welt noch winziger zu züchten. Ein in keinster Weise mehr artgerechtes Leben voller Leid und Schmerzen steht ihm bevor. Ein Beispiel: Die lebenslang offene Schädeldecke der Kleinsthunde bedeutet extreme Verletzungsanfälligkeit. Bereits das spielerische Tapsen eines anderen Hundes auf den Kopf eines winzigen Chihuahuas kann zu Hirnverletzungen, Schädelbrüchen und zum Tod führen.

Für Veterinäre, Ämter und Juristen ist es jedoch schwer, konkrete Qualzucht zu erkennen und zu verfolgen, da nach wie vor Zuchtziele der Rassestandards damit verbunden sind. Aufklärung durch die Wissenschaft und unmissverständliche Gesetze werden gebraucht. Der Respekt vor der Kreatur und ihr Recht auf ein artgerechtes Leben sind zu bewahren!

Quellen und weitere Informationen

Ähnliche Beiträge