Australian Shepherd im Rasseportrait

Der Australian Shepherd zählt mit seinem unverwechselbaren Äußeren und der überschäumenden Energie zu einer der beliebtesten Hunderassen. Das Porträt informiert, welche Zusammenhänge zwischen seiner Herkunft und seinen Eigenschaften bestehen. Der Leser erfährt, welche Anforderungen dieser tolle, agile Hund aufgrund seines Wesens an den Halter stellt. Auch die Problematik der rassetypischen Krankheiten greifen wir auf und informieren fundiert über die Probleme der Zucht, den Merle-Faktor und MDR1, und warum es so wichtig ist für eine gesunde Zukunft der Population dieser fantastischen Hunde, auch als Käufer verantwortungsvoll zu handeln. 

Der Australian Shepherd zählt mit seinem unverwechselbaren Äußeren und der überschäumenden Energie zu einer der beliebtesten Hunderassen.

Australian Shepherd Steckbrief

RasseAustralian Shepherd, genannt Aussie
GewichtRüde: 25-32 kg, Hündin: 16-25 kg
GrößeRüde: 51-58 cm, Hündin: 46-53 cm
Charakterintelligent, agil, bewegungsfreudig, lerneifrig, wachsam, beschützend
HerkunftUSA
ErbkrankheitenMerle-Faktor, Augenkrankheiten, MDR1, HD
Lebenserwartung12 bis 15 Jahre
BeliebtheitPlatz 6 in Deutschland (2021)

Geschichte und Herkunft 

Die Geschichte des Australian Shepherds ist nicht ganz klar zurückzuverfolgen und es haben sich verschiedene Theorien entwickelt. Der eigentliche Ursprung der Rasse scheint vermutlich nicht in Australien gelegen zu haben, denn es wird vermutet, dass Schäfer aus dem Baskenland vor circa 300 Jahren ihre Hunde nach Australien mitnahmen, als sie im Zuge der Kolonialisierung dorthin auswanderten. Diese Hunde der Einwanderer entwickelten sich durch Kreuzungen mit vermutlich verschiedenen Collierassen und Herdenschutzhunden unter den harten Lebens – und Arbeitsbedingungen im australischen Outback zu einem extrem robusten und spezialisierten eigenen Schlag. Sie waren in der Lage Hitze, Kälte und Trockenheit zu trotzen und die großen Schafherden in den Weiten der Halbwüsten in Schach zu halten.

Diese hoch entwickelten Arbeitshunde sollen dann von den Wanderschäfern in den Südwesten der Vereinigten Staaten eingeführt worden sein, wo sie den Sprung vom reinen Hütehund zum Arbeitshund der Cowboys machten und wo später ihre Cleverness für Kunststückchen entdeckt wurde. Die Aussies wurden durch Auftritte bei Rodeo-Veranstaltungen immer bekannter und „berühmter“.

Australian Shepherds haben einen starken Hüteinstinkt.

Eine weitere Theorie geht davon aus, dass nicht ihre Zeit in Australien maßgebend für die Namensfindung war, sondern die von den baskischen Schäfern ebenfalls importierten Merinoschafe, welche in Amerika „Australian Sheep“ genannt wurden.

Recht sicher ist es, dass Schäferhunde aus verschiedenen Ländern der Welt an der Entstehung der Rasse beteiligt waren. So entwickelten sich in den Landesteilen der USA, je nach Klima und Arbeitsanforderungen, bestmöglich angepasste Typen von Schäfer – und Hütehunden, unter ihnen auch die Vorfahren des heutigen Australian Shepherd. 

Zu betonen ist, dass es bei den Anpaarungen zu dieser Zeit immer um die Leistungsfähigkeit und die Robustheit der Hunde ging. Die kargen und harten Lebensbedingungen und die natürlichen Feinde der Herdentiere stellten extreme Anforderungen an ihre Hüter und Beschützer. Diesen musste der Aussie gerecht werden.

Charakter und Wesen

Das Wissen um die Entstehung der Rasse lässt das besondere Wesen dieses außergewöhnlichen Hundes besser verstehen und respektieren. Der Aussie ist mit jeder Faser seines Körpers ein Arbeitshund und seine verinnerlichte Aufgabe ist das Hüten und Beschützen. Er lebte für diese Tätigkeit, deren Basis auch in der engen Beziehung zu einem Hirten und dessen Anweisungen und Signalen lag. 

So ist der Aussie ein durchaus menschenbezogener Hund und hat einen ausgeprägten „will-to-please“. Er braucht Kommunikation und arbeitet gerne mit Menschen zusammen. Seine überdurchschnittliche Intelligenz macht ihn zu einem wachen und gelehrigen Partner. Da er allerdings das eigenständige Arbeiten in seinen Genen trägt, wird er auch immer eine gute Portion Selbstbewusstsein mitbringen, und mit dieser gilt es umzugehen. Neben einer konsequenten Erziehung braucht ein Aussie genau soviel Einfühlungsvermögen und Hundeverstand, dann ist er bei all seinen Aufgaben konzentriert bei der Sache und lässt sich kaum ablenken. Seine Beobachtungsgabe ist schlichtweg beeindruckend und seine Reaktionsfähigkeit überragend. 

Ein Australian Shepherd hat einen ausgeprägten „will-to-please“ (Wille zu gefallen).

Den Hüteinstinkt wird ein Aussie niemals ablegen und so kann es bei ungenügender Auslastung von Körper und Geist durchaus sein, dass sein Temperament mit ihm durchgeht und er eine Gruppe Radfahrer, Jogger, Autos oder auch spielende Kinder als seine Herde ansieht und diese hartnäckig zusammentreiben und beschützen möchte. 

Anschaffung und Preis

Wenn die Wahl nach intensiver Beschäftigung mit den Anforderungen, die der Charakter eines Aussies an seinen zukünftigen Halter stellt, auf diesen tollen Hund gefallen ist, sollte auch die Anschaffung wohlüberlegt erfolgen. Wann immer die Beliebtheit einer Rasse größer wird, steigt auch das Angebot an Welpen. Leider ruft es auch zahlreich verantwortungslose Hundevermehrer auf den Plan, die auf Kosten der Gesundheit der Tiere Geld machen wollen. Von einem anonymen Kauf über Kleinanzeigen oder das Internet ist daher unbedingt abzuraten. 

Stattdessen ist es zu empfehlen, seriöse Züchter zu kontaktieren und sich vor Ort ein Bild von Haltung und Aufzucht zu machen. Seriös steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit Rassestandards und nachweislich gesunden Elterntieren, die frei von Gendefekten und Erbkrankheiten sind. Diesbezügliche Testergebnisse sollten vorgelegt werden können. Beim Aussie gibt es Bemühungen vonseiten der Züchterschaft, neben der leistungsbereiten Arbeitslinie eine ausgeglichenere und ruhigere Showlinie zu züchten, die sich besser als sportlicher Begleit- und Familienhund eignet.

Ein Australian Shepherd Welpe kostest ca. 1000 bis 2000 Euro.

Anschaffungspreise für einen gesunden, gut sozialisierten Welpen von einem Züchter können zwischen 1000 und 2000 Euro liegen.

Möglich ist es auch, einen Aussie bei Tierwohlorganisationen oder im Tierheim zu finden und ihm mit einer Adoption eine zweite Chance auf ein glückliches Leben zu ermöglichen. In diesem Fall sind meistens festgesetzte Schutzgebühren von unterschiedlicher Höhe zu entrichten, die natürlich im Vorfeld erfragt werden können.

Haltung und Pflege

Ein Australian Shepherd ist ein wunderbarer Hundepartner für aktive, sportliche Menschen, die sich voll auf seine Bedürfnisse einlassen möchten (und es zeitlich auch können!). Einen hochintelligenten Arbeitshund artgerecht zu halten, ist eine Herausforderung. Seine Instinkte wollen gefordert und gefördert werden, denn seine Bestimmung zu erfüllen bedeutet sein Glück. Genau hier liegt die Verantwortung des Halters gegenüber seinem Partner Hund.

Ein Aussie wird im Hundesport auf höchstem Schwierigkeitsgrad brillieren und die Menschen mit seiner ansteckenden Lebensfreude begeistern. Dabei gilt es tatsächlich auch, ihm beizubringen, dass Ruhephasen für Mensch und Tier zum Leben dazugehören, denn er hat die Veranlagung zum workaholic. 

Der Aussie braucht sein Arbeitspensum. Wird er dauerhaft unterfordert und langweilt sich, so kann sein Arbeitstrieb in Hyperaktivität und ungewollte Ersatzbeschäftigungen umschlagen. Auch der Jagdtrieb kann aufflammen und bei Spaziergängen zum Problem werden.

Ein Australian Shepherd bei einem Agility Wettbewerb.

Tipps für die spezielle Beschäftigung eines Hütehundes

In den Genen der Hütehunde liegen starke Instinkte, der Hüte – und der Schutztrieb. Dafür ist er ständig unterwegs. Er ist gelehrig, möchte mit seinem Herrchen zusammenarbeiten und ihm gefallen. All diese Eigenschaften sollten bei seiner Beschäftigung angesprochen werden, um ihn artgerecht auszulasten. Eine Runde neben dem Fahrrad laufen findet er nett, aber alleine seine Kondition immer weiter aufbauen, das reicht ihm nicht. Der Aussie braucht eine ausgewogene Mischung aus körperlicher und geistiger Anstrengung und Erfolgserlebnisse! Das kann gerne Hundesport oder Agility sein, muss es aber nicht. Auch die eigene Kreativität, das Beibringen von Kunststücken, Apportieren, Frisbee spielen und intelligentes Hundespielzeug werden ihn glücklich machen.

Der Pflegeaufwand für den Aussie besteht im regelmäßigen Bürsten seines glatten bis leicht welligen Deckhaares mit Unterwolle. Normale Verschmutzungen sollten am besten nur  ausgebürstet werden. Sollte der Aussie nach dem Toben bei schlechtem Wetter grob verschmutzt sein, kann er mit warmem Wasser abgeduscht werden. Ein Vollbad mit Shampoo sollte nur in absoluten Ausnahmefällen angewendet werden. Hier am besten ein schonendes Hundeshampoo verwenden. Knötchen in den Haaren und leichte Verfilzungen treten gerne einmal hinter den Ohren auf und können meistens mit einem Kamm entwirrt werden. Das Kontrollieren der Ohren und Augen sowie der Pfoten und die Länge der Krallen runden das Pflegeprogramm für den Aussie ab.

Negative Eigenschaften und Krankheiten

Von negativen Eigenschaften zu sprechen fällt schwer, denn wenn unerwünschtes oder unangenehmes Verhalten auftritt, so ist es immer in Zusammenhang mit der Erziehung und Haltung eines Hundes zu sehen. So auch beim Aussie. Wichtig zu verstehen ist, dass seine Intelligenz und sein Eifer ihn blitzschnell lernen lassen, gleichzeitig erkennt er aber auch jede Schwäche oder inkonsequentes Verhalten seines Besitzers sofort und macht es sich durchaus zunutze.

Leider müssen sich die Besitzer eines Australian Shepherds auch mit verschiedenen (Erb-)Krankheiten und einem Gendefekt befassen, der recht häufig auftritt. Die einzigartige Optik des Aussies, sein “buntes” Fell und die besonderen Augenfarben sind es nicht zuletzt, die seine Beliebtheit mitbestimmen. Tatsächlich beruhen diese aber auf einem Gendefekt namens Merle, den der Aussie vom Collie geerbt hat. Er verursacht das gescheckte und bläulich wirkende Fell und die hellen Augen. Eine weitere Erbkrankheit ist der MDR1-Defekt, der eine schwere Überempfindlichkeit gegenüber Inhaltsstoffen von Medikamenten verursacht.

Häufig leiden Aussies außerdem unter HD, der Hüftgelenksdysplasie. Diese genetisch bedingte Fehlbildung kann auch am Ellbogen auftreten. Die Augen sind, auch durch den Merle Defekt, ein empfindsamer Körperteil bei dieser Rasse. Sie neigen daher zu Augenkrankheiten wie Katarakt (HSF4), Atrophie der Retina (RD und PRA), Iriskolobom und Collie Eye Anomaly (CEA). Fehlstellungen der Zähne machen ihnen Probleme und Epilepsie zählt ebenfalls zu den häufiger auftretenden gesundheitlichen Problemen bei dieser Rasse. 

MDR1 Gendefekt

MDR ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung Multi-Drug-Resistance und kann mit multipler Medikamentenunverträglichkeit übersetzt werden. Normalerweise schützt das MDR1 Gen gesunde Tiere vor dem Eindringen potenziell gefährlicher Stoffen (Medikamente oder auch Umweltgifte) in das Gehirn und das Nervensystem. In Leber und Niere trägt MDR1 zur Ausscheidung schädlicher Stoffe bei und verringert deren Aufnahme im Darm. Bei Trägern dieses Gendefektes ist die Synthese eines bestimmten Proteins (P-Glykoprotein) gestört und damit der Schutzmechanismus der Blut-Hirn-Schranke eingeschränkt. Nach Einnahme der betroffenen Medikamente zeigen die Hunde Anzeichen einer schweren Vergiftung bis hin zum Koma und können daran versterben. Es erkranken nur reinerbige Hunde, mischerbige geben den Gendefekt zu 50 % an Nachkommen weiter.

Weiterführende Informationen sowie eine Auflistung sämtlicher zu vermeidender Wirkstoffe bietet eine Webseite der Universität Gießen: https://mdr1-defekt.transmit.de/en/kritische-arzneistoffe-bei-mdr1-gendefekt 

Merle-Faktor beim Australien Shepherd

Der Merle-Faktor bezeichnet eine Mutation auf dem Chromosom 10 des betroffenen Hundes. Auf diesem Chromosom liegt das Silv-Gen, das auch Silver Locus genannt wird und Einfluss auf die Fellfarbe hat. Die Mutation bewirkt einen Defekt in diesem Gen, der die Ausprägung des Pigmentes Eumelanin stört. Eumelanin ist zusammen mit Phäomelanin für die Farben des Hundefells verantwortlich. Durch Aufhellung des Eumelanin können sich keine dunklen Pigmente bilden und es entstehen Mischfarben. Schwarz wird zu grau-blau und braun erscheint rötlich. So entstehen die besonders beliebten Färbungen „Blue-Merle“ und „Red-Merle“. Die Farbgebung der Augen ist ebenfalls betroffen. Sie können hellblau, braun oder mehrfarbig sein. Manche Aussies haben zwei verschiedene Augenfarben. Die hellen Augen sind nicht, wie oft geglaubt, rassetypisch, denn bei den früher leistungsorientierten Arbeitshunden wurden die helläugigen Tiere ausgesondert. Ihre Augen konnten Sonne schlechter absorbieren und häufig wurden sie blind. Vorsicht auch bei weißen oder sehr hellen Hunden, die „versteckte Schecken“ genannt werden.

Ein Merle Hund kann durchaus ein Leben ohne gesundheitliche Einschränkungen führen. Große Probleme treten durch verantwortungslose Zucht mit Merlegenträgern auf. Reinerbige Hunde können von schwersten Missbildungen an den Augen, Ohren, dem Skelett, den Geschlechtsorganen und dem Herzen betroffen sein. Oft sind sie blind und/oder taub und versterben vor dem Ende ihres ersten Lebensjahres. Mischerbige Hunde können ebenfalls durch den Gendefekt beeinträchtigt sein, durch eine Pigmentstörung der Melanozyten im Innenohr. Ihr Gleichgewicht ist gestört und das Gehör eingeschränkt.

Das Tierschutzgesetz verbietet aus den genannten Gründen in Deutschland eine Paarung Merle x Merle sowie Red Merle x Blue Merle. Es fällt unter Qualzucht und erfüllt den Straftatbestand der Tierquälerei.

Quellen und weitere Informationen

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