Grundsätze der Pferdefütterung: Was dürfen Pferde fressen?

Zur Pferdehaltung gehört immer auch ein solides Grundwissen über die Fütterung der Tiere, denn artgerechte und für Reit- und Sportpferde leistungsbezogene Ernährung ist die Basis für ein gesundes Pferdeleben. Der folgende Beitrag gibt eine umfassende Übersicht der Futtermittel und erläutert wichtige Fakten rund um die Fütterung. Vermittelt wird auch, was Pferde ganz besonders gerne fressen und was auf keinen Fall in der Futterkrippe landen sollte.

Futtermittel für Pferde werden in verschiedene Gruppen unterteilt: Das Raufutter, das Kraftfutter und das Saftfutter. Diese werden in bestimmten Anteilen und Mengen verfüttert, um sowohl den Erhaltungsbedarf zu sichern, als auch die nötige Energie für Sport- und Freizeitpferde zu liefern.

In folgender Tabelle sind die Obst und Gemüsesorten aufgelistet, die für Pferde erlaubt und nicht erlaubt sind:

erlaubtnicht erlaubt
✅ Äpfel❌ Brokkoli
✅ Birnen❌ Blumenkohl
✅ Bananen❌ Rosenkohl
✅ Wassermelone❌ Kohlrabi
✅ Möhren❌ Kartoffeln
✅ Rote Beete❌ Tomaten
✅ Salatblätter❌ Zwiebeln
❌ Gurken
❌ Paprika
❌ Kirschen
❌ Pflaumen
❌ Nektarinen
❌ Aprikosen
❌ Zitronen
❌ Orangen
❌ Ananas
❌ Weintrauben

Entwicklungsgeschichtlicher Hintergrund der Pferde

Um das Verhalten und die Ernährungsbedürfnisse von Pferden zu verstehen, hilft ein Blick auf ihre Entstehungsgeschichte. Die Vorfahren unserer heutigen Reitpferde lebten in großen Herdenverbänden in der Steppe und zogen gemeinsam durch die kargen Landschaften auf der Suche nach Nahrung. Im Tagesverlauf kamen durchschnittlich 50 Kilogramm pflanzliches Futter zusammen, was nach Abzug des enthaltenen Wassers ungefähr 10 Kilogramm Trockenfuttermasse bedeutete.

Die Wildpferde bewegten sich viele Kilometer am Tage fort und fraßen zwischendurch immer nur kleine Mengen. Diese Lebensform entsprach auch dem Wesen des Pferdes als Fluchttier. Es war nie zu satt oder träge, um die Flucht vor Feinden ergreifen zu können. Auf diese Lebensbedingungen hat sich der Verdauungstrakt des Pferdes ausgerichtet und die Anpassung daran bildet heute die Grundlage artgerechter und gesunder Fütterung.

Grundfuttermittel für das Pferd

Raufutter: Als Raufutter werden rohfaserreiche Futtermittel bezeichnet, die in trockener Form (Heu oder Stroh) oder feucht (Weidegras oder Silage) gefüttert werden können.

Kraftfutter: Als Kraftfutter wird primär der Hafer (seine Nährstoffe können vom Pferdedarm besonders gut aufgeschlossen und verwertet werden) bezeichnet, aber auch weitere Getreidesorten wie Gerste, Dinkel und Mais. Diverse Mischfutter (Pferdemüsli und Getreidemischungen mit gepressten Pellets), die häufig als Sackware vertrieben werden, gehören ebenfalls dazu.

Saftfutter: Saftfutter nennt man frisches Gras, vitaminreiches Obst, Rüben und die pferdeverträglichen Gemüsesorten. Sie sind besonders in der Winterzeit, wo oft keine Weidemöglichkeiten zur Verfügung stehen, eine willkommene Ergänzung.

Das Raufutter spielt in der Fütterung des ehemals dauerfressenden Steppentieres eine große Rolle und stellt das Hauptnahrungsmittel eines Pferdes dar. Dies gilt sowohl für die verdauungsfördernden Inhaltsstoffe, als auch für die Erfüllung des natürlichen Instinktes, ständig an etwas herumzuknabbern.

Auf die gleichmäßige Nahrungsaufnahme hat sich der Magen der Pferde mit durchgehender Magensäureproduktion eingestellt. Diese kann von Speichel neutralisiert werden, der allerdings nur beim Kauen von Nahrung in größeren Mengen erzeugt wird. Erfolgt diese Neutralisation und Pufferung der Säure nicht, weil dem Pferd kein Futter zur Verfügung steht, kann die Magenschleimhaut angegriffen werden. Magengeschwüre, Verdauungsbeschwerden und Koliken können die Folge sein. Diese Entwicklung kann bereits nach einer vierstündigen Futterpause eintreten. Auch psychisch leiden Pferde unter nicht artgerechter Fütterung und Haltung. Sie können Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Aus diesem Wissen hat sich die fachsprachlich „ad libitum“ genannte Gabe von Raufutter entwickelt. Das heißt, dem Pferd steht Heu und/oder Stroh rund um die Uhr zum Beispiel in großen Heuraufen zur freien Verfügung. In modern konzipierten Bewegungsställen können die Pferde neben der gleichmäßigen Futteraufnahme auch ihr natürliches Laufbedürfnis erfüllen.

Grundsätze der Pferdefütterung

Es ist nicht sinnvoll und kann gesundheitsgefährdend für die Tiere sein, Pferde in Bezug auf die Fütterung zu vermenschlichen. Wir Menschen probieren gerne einmal etwas Exotisches und genießen die Geschmäcker anderer Länder. Pferde hingegen kommen am besten mit gleichbleibenden und bekannten Hauptfuttermitteln zurecht.

Was die meisten Pferde gar nicht gut vertragen, sind plötzliche Futterumstellungen. Sollte der Wechsel eines Grundfuttermittels anstehen, – weil zum Beispiel der Lieferant gewechselt, oder das neue Heu der letzten Ernte angefüttert wird, – so beginnt man mit einer anteiligen Beimischung der neuen Sorte, bevor die gesamte Menge umgestellt wird.

Pferde haben einen empfindlichen Magen, und bei der Fütterung sollte folglich niemals das Risiko von Verdauungsproblemen oder gar einer Kolik eingegangen werden. Daher ist es ratsam, auf kulinarische Experimente unbedingt zu verzichten, denn der artgerechte Speiseplan für Pferde bietet genügend Möglichkeiten, gesunde Abwechslung hineinzubringen.

Was als Belohnung und in kleinen Mengen gefüttert werden kann

Bestimmte Obst und Gemüsesorten eignen sich als gesundes Leckerchen zwischendurch und werden von Pferden in der Regel auch gerne angenommen. Hierzu zählen:

  • Obst: Äpfel, Birnen, Bananen, Wassermelonen
  • Gemüse: Möhren, Rote Beete, Salatblätter
  • Kleine Stücke hartes Brot als Knabbersnack.

Grund für die einzuhaltenden Kleinstmengen sind die enthaltenen oft hohen Fruchtzuckeranteile und Stärke, die bei Überfütterung und Übergewicht schwere Stoffwechselerkrankungen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom), Diabetes oder Hufrehe auslösen können.

Was gar nicht an Pferde verfüttert werden sollte

  • Alle Kohlsorten wie Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl oder Kohlrabi. Ebenso Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Gurken, Paprika.
  • Kein Steinobst und keine Zitrusfrüchte für Pferde! Dazu gehören Kirschen, Pflaumen, Nektarinen, Aprikosen, Zitronen, Orangen, Ananas.
  • Keine Weintrauben.

Steinobst birgt obendrein die Gefahr einer Schlundverstopfung. Aus dem gleichen Grund sollte das gesunde Obst auch nicht in kleine Stücke geschnitten werden, um das Pferd nicht zum Schlingen zu animieren.

Absolut zu beachten sind neben den ungesunden Futtermitteln natürlich die Giftpflanzen, auf die Pferde rund um den Stall und auf Koppeln treffen können. Die heimischen giftigen Sorten sollten jedem Pferdebesitzer und Reiter bekannt sein. Genannt werden hier die wichtigsten:

Jakobskreuzkraut, Johanniskraut, Schierling, Fingerhut, Thuja, Buchsbaum, Eibe, Eiche, Robinie, Bergahorn, Eisenhut, Goldregen, Herbstzeitlose, Kirschlorbeer, Tollkirsche, Rhododendron, Sumpfschachtelhalm, Graukresse, Maiglöckchen, Aronstabgewächse, Adonisröschen

Achtung: Einige Wiesenpflanzen wie das unauffällige Jakobskreuzkraut oder die Herbstzeitlose verlieren ihre Toxizität im getrockneten Zustand nicht und landen manchmal leider auch im Heu. Kontrolle kann lebensrettend sein.

Tipps für die Fütterungs-Praxis

Sollte ein Pferd bei der artgerechten ad libitum Heufütterung ungewünscht an Gewicht zulegen, so ist nicht die Art der Fütterung anzuzweifeln, sondern das Futtermittel auf seinen Zucker- und Energiegehalt und die Fressgeschwindigkeit des Pferdes zu überprüfen. Viele Heusorten sind bedauerlicherweise nicht so mager, wie es am besten für die Pferde wäre. Eine langsamere Raufutteraufnahme kann durch spezielle „slow feeder“ und engmaschige Heunetze erreicht werden.

Zu den traditionellen und leichtverdaulichen Saftfuttern gehören die Rübenschnitzel. Sie eignen sich für ein wenig mäkelige und wählerische Pferdepersönlichkeiten. Hier sei auch die nährstoffreiche und verdauungsfördernde Weizenkleie erwähnt, welche die Basis für das „Mash“ genannte, bei allen Pferden äußerst beliebte, Futtermittel bildet.

Mash ist ein duftender, warmer Futterbrei, der als Kraft- oder Ergänzungsfutter zubereitet werden kann und hauptsächlich aus Kleie und Leinsamen besteht. Oft wird er mit einem Komplex aus Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen angereichert. Es kann durchaus ein tägliches Futterhighlight für den Vierbeiner sein, wird aber insbesondere bei Kolikern, für die Erholungszeit nach Krankheiten oder ältere Pferde mit Zahnproblemen empfohlen.

Quellen und weitere Informationen

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Katrin Albrecht, Pferdewirtschaftsmeisterin und Reitlehrerin FN sowie Fachredakteurin Reitsport.

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